KC Rebell – Fata Morgana (Review)

18 Jun 2015     Fabilous     Kommentare

KC Rebell - Fata Morgana

Wer die Ankündigungen vor dem neuen Werk des streitlustigsten Camps der deutschen Rap-Szene verfolgt hat, durfte befürchten, dass das kommende Album von KC Rebell gänzlich andere Wege einschlagen und sich in Richtung radiotauglichem Pop-Rap orientieren würde. Diesbezügliche Aussagen des Banger Musik Oberhaupts Farid Bang im labeleigenen Magazin „Banger Mag“, nach denen er Kc Rebell gerne im Mainstream platzieren würde, sorgten innerhalb der Anhängerschaft für gemischte Gefühle.

Es stellt sich nun die Frage, ob das Album den Spagat zwischen Banger Musik und Charts versucht oder ob sich gänzlich auf radiokompatible Musik versteift wird. Gerade die im Voraus ausgekoppelten Videos legten die Vermutung nahe, dass der Schwerpunkt auf poplastiger Musik liegen würde.

Zunächst sei „Augenblick“ erwähnt, in dem er mit Label Kollege Summer Cem in einem melodischen Singsang über die Vergänglichkeit des Lebens und materieller Güter rappt, dabei aber wie einige andere Rapper den Fehler begeht, sich selbst an einer gesungenen Hook zu versuchen und dabei unfreiwillig komisch wirkt. Besser macht er dies in dem seichten Poptrack „Bist du real“, der im Cocktailkleid ein gern gesehener Gast auf jeder sommerlichen Grillparty wäre.

Mit Moé (ehemals Moe Phoenix) steuert hier immerhin ein talentierter Sänger die eingängige Hook bei. Als Straßenrap-Fan kann man KC Rebell sicherlich dafür verurteilen, dass er auf dem Song insgesamt weniger als 50 Sekunden rappt und der Rest des Liedes aus Hook oder Bridge von Moé besteht. Dennoch wird der Anspruch, dies als radiotauglichen Pop-Song zu platzieren, deutlich. Sowohl durch die eingängige Melodie, die dezidierte Wahl von schlichten Worten und Reimen, als auch durch die Tatsache, dass Banger Musik das Video auf dem Kanal der Youtuberin Dagibee veröffentlichte, die ihre fast 2 Millionen Abonnenten mit den Themen Beauty, Lifestyle und Entertainment versorgt. Das Lied stellt auch schon den Höhepunkt der insgesamt 3 inhaltsarmen Pop-Songs dar, deren schwächster Teil „Wieder an Deiner Tür“ ist, der in Hook und Bridge von KC Rebell so schlecht gesungen ist, dass sich erneut Fremdscham einstellt. Da hilft es auch nicht, dass man sich soundtechnisch am kommerziell erfolgreichen schlechten Vorbild von Sido – in frühen Tagen eine gern verwendete Zielscheibe von Labelchef Farid Bang – orientierte.

Die restlichen Songs des Albums lassen sich in zwei Kategorien aufteilen: banger-musik-typische, nun ja… Banger und dem Anspruch nach tiefe Themensongs. Letztere warten zwar teilweise mit eingängigen Melodien auf, wie der Titeltrack „Fata Morgana“ mit Xavier Naidoo oder „Porzellan“, bei dem sich KC Rebell von Maxim unterstützen ließ, unterscheiden sich jedoch gerade aufgrund der Aufarbeitung des Inhalts wesentlich von den lockeren Songs mit Pop-Anspruch. Für die meisten dieser Tracks kann man KC Rebell keine besondere Originalität attestieren, da weder Thematik (gescheiterte Beziehung, private Probleme durch den Erfolg und die Musik, Track aus der Sicht eines Stalkers, Track über Toleranz etc.) noch die Umsetzung vorbehaltlos zu überzeugen wissen. Insbesondere auf textlicher Ebene kommt es immer wieder zu Zweckreimen oder zu unfreiwillig komischen Flowbrechern („Ich könnte dich nicht mehr berühren, selbst wenn ich will, für mich und meine Seele bist du eine Brennnessel“ – Porzellan). Die sparsame Reimtechnik und fehlende Lyrizität wirkt deshalb bei inhaltsschwangeren Songs deplatziert. Respekt verdient an dieser Stelle lediglich „Fata Morgana“, da die Thematik der Auslöschung der Vorurteile gegenüber anderen Gesinnungen und Kulturen gerade aufgrund jüngster Äußerungen innerhalb der Deutschrap-Szene ein positives Zeichen setzt.

Die Banger des Albums, darunter „Casablanca“, „Hasso“, „Kanax in Tokyo“, „Haute Couture“ oder der Flaggschiff-Track „1“, auf dem sich die gesammelten Rapper des Banger Labels tummeln, liefern das, was man erwartet: Stumpfe Unterhaltung, die auf entsprechenden Beats ab und an zum Schmunzeln anregt und bei der man sich aufgrund ihrer Wortwahl manchmal fragt, ob ein Grundschüler als Ghostwriter fungierte („Ich nenne sie Bibi, sie nennen mich Bubu – sie wollen die Bifi, direkt in die Mumu“ – Casablanca). Leider wissen auch nur einige Beats der tätigen Produzenten Joshimizu, Abaz und Juh-dee zu überzeugen. Denn neben „Casablanca“ oder „Kanax in Tokyo“ stellen die restlichen Produktionen demonstrativ Kreativarmut und gelegentlich die obligatorischen Trap Hi-Hats zur Schau.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass das Album als Versuch zu beurteilen ist, sich langsam in Richtung Massentauglichkeit zu bewegen, ohne die Fanbase durch eine komplette Hinwendung zu musikalischeren Songstrukturen abzuschrecken. Was dabei herausgekommen ist, ist ein mittelmäßiges Album, das konzeptlos weder Fleisch noch Fisch ist, von dem aber auch niemand enttäuscht ist, da man versuchte, die Erwartungen aus allen Lagern zu erfüllen.

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